Interview mit Leo Mungen

 

Interview mit Leo Mungen zum 60-Jubiläum des Musikvereins Freilingen

 

 

Leo Mungen (geboren am 05.11.1914) leitete

den Musikverein 20 Jahre lang als Dirigent

und ist das noch einzige verbliebene

Gründungsmitglied des Musikvereins Freilingen.

Bereits vor dem 2.Weltkrieg hatte

er im Ort einen Tambourcorps geleitet.

 

 

MV:

Hallo Leo, schön dass du dich für dieses

Interview bereit erklärt hast.

Bereits vor dem 2. Weltkrieg gab es in Freilingen

einen Tambourcorps unter deiner Leitung  Leo,

dieser Tambourcorps wurde jedoch

in Folge der politischen Verhältnisse

und Wirren des 2. Weltkriegs aufgelöst.

Welche Erinnerungen hast du daran?

 

LM:

Die damaligen Gründer des Tambourcorps

waren Ittenbach Schäng (wohnte bei Gilles

jetzt Birk August) und Plötzer Hubert

(Vater von Heinz Plötzer).

Ich war damals ein guter Flötist.

Herr Ittenbach, der damalige Tambourmajor,

konnte sehr oft nicht teilnehmen

und so hatte er mir den Majorstab übergeben.

Ich musste ihn häufig vertreten und

durch Wegzug von Ittenbach,

bin ich sein Nachfolger geworden.

Leider gibt es keine Fotos aus dieser Zeit.

Ich kann mich noch an folgende Aktive aus dieser Zeit erinnern.

Ludwig Sturm (Polizist), Philipp Horn (Buesch),

Klaus Göbel (Komme),

Luppertz Johann (Vater von Bärbel Hermeling),

Schmitz Peter (Jade), Schwarz Johann (Kläre),

Peetz Hubert (Jürdrigge),

Willi Plötzer (Feltches), Schmitz Philipp (Jade),

Josef Franzen (Nöschchech)und

Robert Bodden (Kreiß).

 

MV:

Wie kamst Du zur Musik?

 

LM:

Ich konnte als Kind sehr gut Mundharmonika spielen.

In unserer Großfamilie (8 Brüder und 3 Schwestern)

war eine Violine vorhanden, die für

meinen Bruder Karl (leider im Krieg gefallen)

bestimmt war.

 

Ich war der Jüngste und durfte die Violine

übernehmen, bzw. sie lag irgendwo in der

Ecke und habe sie einfach übernommen

und versucht Lieder zu spielen. Danach habe

ich offiziell als Kind Violinen-Unterricht

bei der damaligen Lehrerin Klahsen

bekommen und so konnte ich Noten lesen.

 

Später habe ich Klavier gespielt.

Mehr oder weniger selbst beigebracht.

Ein Klavier stand im Saal vom Gasthaus

„Zum weißen Rößel“ beim Luppertz.

 

MV:

 

In der Nachkriegszeit entstand der Wunsch, sich

wieder musikalisch im Verein zu betätigen.

Wie kam es dazu?

 

 

LM:

Anfang der 50 er Jahre war Josef Dalboth

(Kieres Jupp

Vater von Rainald Dalboth) an mich heran

getreten, ob

ich nicht wieder einen Tambourcorps gründen

und leiten könnte.

Kieres Jupp war vor dem Kriege

ebenfalls Tambormajor in Lommersdorf

und wohnte wegen Heirat dann in Freilingen.

Ich hatte aber mehr Interesse einen

 

Musikverein zu gründen.

 

Das war eigentlich die Grundidee.

Dieses Gespräch fand während der Heuernte

auf der „Steinich Wiss“ (Steinige Wiese Nähe

Campingplatz/Stausee) statt.

Später gesellten sich noch Franz Mathei

und Puderbach Josef hinzu.

Franz Mathei war ein Gönner und Förderer und

Josef Puderbach der Mann für alle Fälle.

 

 

 

MV:

Am 07. August 1952 trafen sich Franz Mathei,

Josef Puderbach, Josef Dalboth und Leo Mungen

in der Gaststätte „Luppertz“ zur

Gründung des Musikvereins Freilingen.

Wie lief die Gründung ab?

Gab es Schwierigkeiten dabei?

 

LM:

Im August 1952 hatten wir vier Gründungsmitglieder

im „Stüffchen“ (Stube) der Gaststätte

Luppertz den Verein gegründet.

Ob dabei noch andere daran beteiligt waren,

weiß ich nicht mehr genau. Ich glaube aber nicht,

aber Albert Luppertz hat dies irgendwo

nieder geschrieben und weiß das auch

besser als ich, weil mein Gedächtnis mit

97 Jahren doch etwas nach lässt.

 

Zumindest bestand schnell Interesse

von anderen Musikern (zum Beispiel

Alfred Riethmeister), an der Gründung

 

bzw. aktiven Musiktätigkeit mit zu machen,

was ja auch geschehen ist.

 

 

 

LM:

Die Musiker der erste Stunde waren

Leo Mungen, Alfred Riethmeister, Karl Hellenthal,

Josef Reifferscheid, Egon Eich,

Hans-Werner Illigen, Heinz Plötzer,

Clemens Neubusch, Hermann Bodden,

Bruno Mathei, Ernst Ehlen und Josef Dalboth.

Wurde einfach gefragt wer Lust

zum Musikmachen hat oder

gab es eine Informationsveranstaltung?

 

LM:

Wie gesagt, es fanden sich schnell Interessenten,

zum Beispiel die Vorgenannten.

Franz Mathei hatte Beziehungen zu

Herrn Schäfer aus Marmagen.

Er hatte diesen als Dirigenten vorgeschlagen,

der dann auch der erste Dirigent wurde.

Josef Dalboth war der 1. Vorsitzende von

Anfang an und war dies auch sehr lange Jahre.

Albert Luppertz war sein Nachfolger.

MV:

Wie und wo gab es den  Musikunterricht oder

habt ihr einfach drauf  los gespielt?

 

LM

Anfangs hatten wir nach Aufteilung der

Instrumente, bei Franz Mathei in dessen

Werkstatt geprobt.

Unser erster Auftritt war bereits  einige

wenige Wochen später beim Muttergottesfest

an der Kapelle in Freilingen.

Das erste Lied war „Sanctus“

(Heilig, Heilig usw.) von Schubert.

Es war ein gelungener Auftritt

bei nur 2-4 Wochen Probezeit.

 

MV:

Durch einen Kredit der Spar-

und Darlehenskasse Lommersdorf

(heute VR-Bank Nordeifel) über

600 DM und den Mitgliedsbeiträgen

von je 50 DM konnten gebrauchte

Instrumente erworben werden.

Wie kamt ihr an den Kredit?

Wo wurden die Instrumente denn erworben?

 

LM:

Für den Kredit haben Josef Dalboth und

ich noch gebürgt.

Die Instrumente wurden bei Kossmann

in Köln gekauft. Er hatte im

Blockhaus (gegenüber Hubertushof Illigen)

zeitweise gewohnt.

Teilweise waren auch alte Instrumente

im Umlauf. Ich weiß nicht, woher sie stammten.

 

MV:

Hast du auch ein Instrument gespielt?

 

LM:

Am Anfang hatte ich Trompete und

auch Posaune gespielt.

 

MV:

Da das Geld knapp war, konnten

die Noten nicht gekauft werden.

Wie bekamt ihr eure Noten?

 

LM:

Zunächst hatten wir wegen Geldmangel

keine Noten. Der Dirigent Schäfer

hatte die Noten handschriftlich im Satz

geschrieben, so zum Beispiel das Sanctuslied.

Ich erinnere mich noch an einen weiteren

Auftritt am Anfang und zwar hatten wir bei

Goris Lotti (Haus Balmes) und Kapp Hans

das Freilinger Hillichlied (Schönste

aller Schönste usw.), welches heute

noch aktuell ist, gespielt.

Herr Kapp war leitender Angestellter

bei Ford. Er gab uns 100 DM. Das war viel

Geld, welches wir gut gebrauchen konnten.

Das Hillichlied hatte Dirigent Josef Schäfer

ebenfalls im Notensatz handschriftlich

für alle Instrumente geschrieben.

 

MV:

Um die Kasse des neu gegründeten

Musikvereins aufzubessern, wurde im

Herbst 1952 in Freiligen eine

„Kartoffelsammlung“ durchgeführt.

Sehr viele Zentner gesammelte Kartoffeln

wurden in Köln auf dem Markt verkauft.

Wie kam es zur Kartoffelsammlung und

wie wurde die Aktion durchgeführt?

 

MV:

Die Kartoffelsammlung war nötig, um für

Heinz Plötzer einen neuen Bass

zu kaufen und Neuanschaffung

von weiteren Instrumenten und Noten.

Josef Puderbach (hatte einen LKW)

und Johann Nelles aus Lommersdorf,

sowie maßgeblich Karl Hellenthal

(Kloße Karl), waren an dieser Aktion beteiligt.

Verkauft wurde auf einem Marktplatz

und von Haus zu Haus. Kloße Karl,

konnte nach der Überlieferung alle

Sorten verkaufen, die von den

Kunden gewünscht wurden, wie zum

Beispiel Hansa, Grata usw., obwohl man

nur eine Sorte dabei hatte.

Das Verkaufstalent hatte Kloße Karl

durch seine Tätigkeit als Viehhändler.

 

MV:

Zunächst diente die Schreinerwerkstatt

von Franz Mathei, später das „Stüffchen“

der Gaststätte „Luppertz“ und danach

ab 1957 das Jugendheim Fr5eilingen

als Übungsraum.

War es schwer, einen Übungsraum zu finden?

 

LM:

Nein, es gab keine Probleme dabei.

Die Abende im Stüffche (Gasthaus

Luppertz) waren sehr legendär und

dauerten manchmal sehr lange.

 

MV:

Das 1. Konzert des jungen Musikvereins

fand bereits am 20. Juni 1953 im

Saal der Gaststätte „Meiershof“ statt.

Welche Erinnerung hast du daran?

 

LM:

Beim ersten Konzert war ich bereits

Dirigent und Nachfolger von Herrn Schäfer,

weil dieser verzogen war

bzw. Berufsmusiker geworden ist.

Leider kann ich mich

daran nicht mehr so genau erinnern.

 

MV:

Du warst der 1. Vorsitzende des

Musikvereins Freilingen.

Wie lange warst du Vorsitzender

und wie hast du die Zeit als Vorsitzender empfunden?

 

LM:

Ich war nie 1. Vorsitzender. Dies

war jahrelang der Mitbegründer

Josef Dalboth und später Albert Luppertz.

Ich bin wohl aber zum Ehren-

vorsitzenden ernannt worden.

 

MV:

Dieses Jahr wird der Musikverein 60 Jahre alt.

Was möchtest du dem Verein und seinen

Mitgliedern für die Zukunft mit auf den Weg geben?

 

LM:

Ich wünsche mir, dass der Musikverein

noch sehr lange erhalten bleibt und freue

mich über die große Anzahl

der zahlreichen jungendlichen Aktiven.

Ich bedauere, dass ich auf Grund meines

Alters von 97 Jahren nicht mehr so beweglich

bin, sonst wäre ich immer noch Zuhörer

bei Konzerten und sonstigen

Gelegenheiten und Auftritten des Musikvereins.

 

MV:

Und zu guter Letzt vier kleine persönliche Fragen.

 

LM:

Lieblings-Essen: Sauerkraut mit Kartoffelpüree

und Speck, sowie selbst eingelegte

Heringe von Marianne Riethmeister.

Lieblings-Musiker: War immer Alfred Riethmeister.

Lieblings-Lied: Alte Kameraden.

Lieblings-Film: Kein Film,

sondern frühere Fernsehsendungen wie

„EWG“ (Einer wird gewinnen) von Kulenkampf.

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Danke für das Interview.